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Insektenportrait Wir sind dann noch da! - über den Erdbockkäfer am Basler Rheinbord St. Johann Text: Armin Coray, Mai 2009 |
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Abb. 1. Weibchen des Erdbockkäfers am Basler Rheinbord St. Johann (Foto: A. Coray, 24. März 1990). Der 12-18 mm messende Berusste Erdbock Dorcadion (Iberodorcadion) fuliginator (Abb. 1) ist ein Grasland bewohnender, flugunfähiger Bockkäfer (Cerambycidae). Mit seinem dicht weisslich-beigen Toment (Behaarung) der Flügeldecken, bei sonst schwarzer Färbung, ist er unverwechselbar. Die Art besitzt einen zweijährigen Entwicklungszyklus, wobei sich die Larven im Boden entwickeln und von Graswurzeln ernähren. Der selten gewordene, schweizweit geschützte Käfer wird gegenwärtig nur mehr von drei Stellen gemeldet (Basel, Allschwil und Altdorf/SH). Als das Vorkommen am Basler Rheinbord St. Johann das unter Entomologen wahrscheinlich schon seit dem frühen 20. Jh. bekannt war 1985 durch die so genannte „Überbauung Elsässerrheinweg“ akut gefährdet wurde, galt es als das einzige Vorkommen des Käfers in der Schweiz. Dank der Interventionen des Basler Naturschutzes und der Entomologischen Gesellschaft Basel, sowie dem Entgegenkommen des Baudepartements, besonders auch während des Baus einer neuen Schiffsstation (1989/90), blieben wertvolle Teile des Erdbocklebensraumes erhalten, wenngleich dieser sich deutlich verkleinerte. Damals bestanden die alternierenden Populationen noch aus schätzungsweise einigen bis mehreren hundert Individuen. Anfang der 1990er Jahre schien das Schlimmste überstanden, doch bereits 1993 machte sich eine Vegetationsveränderung, verursacht durch eine unglückliche Magerrasen-Aussaat im angrenzenden St. Johanns-Park, bemerkbar. Der ursprüngliche Hornkraut-Trespenrasen wurde durch das plötzliche Aufkommen von Luzerne und Esparsette massiv gestört und die Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Hauptwirtspflanze des Erdbockkäfers am Rheinbord, stark zurückgedrängt. Überflüssigerweise wurde 1996 im Süden des Gebietes auch noch eine Treppe zwischen St. Johanns-Rheinweg und Berme erstellt. Dadurch wurde, fast auf einen Schlag, das südlich der Schiffsstation gelegene Vorkommen vernichtet. Dass sich erneut Widerstand regte und daraufhin das Rheinbord St. Johann per regierungsrätlichen Beschluss vom 25. Juni 1996 unter Naturschutz gestellt wurde, war letztlich ein schwacher Trost. Kurzum, die Erdbock-Populationen brachen innert weniger Jahre ein. Die Geschichte der Basler Erdböcke bis zu den späten 1990er Jahre ist in einem separaten Heft der EGB dokumentiert (Baur et al., 1997). In der Folgezeit konnten wir wenigstens unsere ökofaunistischen Kenntnisse über Dorcadion fuliginator vertiefen. Ein 1997 von Pro Natura Basel initiiertes Forschungsvorhaben unter der Leitung von Prof. Bruno Baur vom NLU (Institut für Natur- Landschafts- und Umweltschutz der Universiät Basel), erbrachte dabei mehrere neue Fundorte, darunter auch das „vergessene“ Vorkommen bei Allschwil, und lieferte uns in der Folge Daten über die ökologischen Ansprüche, die Bestandesgrössen und die Ausbreitungsleistungen von Erdbockkäfer-Populationen im Dreiländereck um Basel (Coray et al., 2000; Baur et al., 2002, 2005). Während all der Jahre galt unsere Sorge auch weiterhin der Basler Population. Mitarbeiter der Stadtgärtnerei konnten die Saat-Luzerne zwar zurückdrängen und dadurch wieder erträglichere Bedingungen für das Überleben der Erdbockkäfer schaffen, die Aufrechte Trespe kommt im Rasen allerdings nur mehr spärlich vor. Nüchtern betrachtet, müsste das Erdbock-Vorkommen am Rheinbord St. Johann eigentlich Bereits erloschen sein. Tatsächlich konnten in den Jahren 2004 und 2007, während jeweils rund 7-8-stündiger Begehungen, schon keine Nachweise mehr erbracht werden. Im Frühjahr 2009 machte ich mich deshalb mit wenig Zuversicht an meine alljährlichen Untersuchungen. Die erfolgte Entfernung der auf den Käfer hinweisenden Informationstafeln, hätte man als böses Vorzeichen deuten können. Aber, sie sind noch da! Als ich am 4. April meine zweite Begehung durchführte, fiel mir beim aufmerksamen Beobachten der Grasböschung plötzlich eine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus) auf, die an etwas Grossem zu saugen schien. Danach erst erkannte ich den Käfer: einen auf dem Rücken liegenden kleinen Erdbock. Das Ganze erinnerte an eine Szene, die ich bereits 1986 fotografiert hatte (Abb. 2). Die gesellig lebenden Feuerwanzen saugen normalerweise an Lindenfrüchten, stecken aber zuweilen ihren Rüssel auch ganz gerne in ein totes Insekt. Für diesmal griff ich zu, um den Beleg zu sichern. Während einer weiteren Begehung (13. April) gelang dann sogar noch ein zweiter Erdbock-Nachweis: ein zertretenes Tier auf dem Bermenweg unterhalb der Grasböschung. Das Rheinbord St. Johann ist in der Tat ein gefährlicher Lebensraum für den Erdbockkäfer. Den Aussterbetermin dürfen wir aber verschieben…
Abb. 2. Zwei Feuerwanzen am Basler Rheinbord an totem Erdbock saugend (Foto: A. Coray, 2. Mai 1986). Erwähnte Literatur: Baur B., Burckhardt D., Coray A., Erhardt A., Heinertz R., Ritter M. & Zemp M. (1997): Der Erdbockkäfer, Dorcadion fuliginator (L., 1758) (Coleoptera: Cerambycidae), in Basel. Mitteilungen der Entomologischen Gesellschaft Basel, N.F. 47: 59-124. Baur B., Zschokke S., Coray A., Schläpfer M. & Erhardt A. (2002): Habitat characteristics of the endangered flightless beetle Dorcadion fuliginator (Coleoptera: Cerambycidae): implications for conservation. Biological Conservation 105: 133-142. Baur B., Coray A., Minoretti N. & Zschokke S. (2005): Dispersal of the endangered flightless beetle Dorcadion fuliginator (Coleoptera: Cerambycidae) in spatially realistic landscapes. Biological Conservation 124: 49-61. Coray A., Altermatt F., Birrer, St., Buser H., Jäggi Ch., Reiss Th. & Schläpfer M. (2000): Verbreitung, Habitat und Erscheinungsformen des Erdbockkäfers Dorcadion fuliginator (L.) (Coleoptera, Cerambycidae) in der Umgebung von Basel. Mitteilungen der Entomologischen Gesellschaft Basel, N.F. 50: 42-73. weitere Insektenporträts |
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